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Kritik an der verdrechselten Wissenschaftssprache kommt immer gut an. Heute kann man auf SZ-Online das passende Zitat von Popper dazu lesen:

“Wer’s nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er’s klar sagen kann.” Das hat der Philosoph Karl Popper als Leitsatz für die Wissenschaft ausgegeben.

Dem kann man prima facie nur zustimmen. Aber irgendwie stimmt etwas nicht mit dem Satz. Weiterlesen »

Derzeit habe ich den Eindruck, dass das neue Heilsversprechen zur Lösung aller drängenden (vor allem beruflichen) Sorgen von Wochenend-Seminaren ausgeht. In ein bis zwei Tagen soll man lernen, wie man seinen Tag plant, wie man seinen Stress bewältigt oder wie man sich die richtigen Ziele setzt. Für jedes Problem gibt es einen Kurs mit dem dazu gehörigen optimistischen Dozenten. Mit gruppendynamischen Spielen ohne viel Theorie wollen diese Kurse die nötigen Rezepte vermitteln, um alle möglichen Probleme in den Griff zu kriegen. Aber können sie das wirklich? Oder handelt es sich bei dem wuchernden Kursangebot nicht eher um eine virale Verbreitung der ewig gleichen Tools, die mehr Versprechen denn Lösung sind? Weiterlesen »

Seit ich in irgendwelchen Internetforen meine argumentative Klinge schwinge, verwundert mich eine ganz besondere Sorge Postings: die Copy&Paste-Beiträge, die einfach nur Wikipedia wiedergeben. Ein solches Beispiel fand ich eben:

The Great Game – Historische hintergrun des Afghanistan Krieges The Great Game drehte sich um die Vorherrschaft in Zentralasien. Die Russen versuchten über Turkestan zum Indischen Ozean vorzustoßen, um einen eisfreien Hafen bauen zu können…

Ich habe mich ein wenig gewundert über zwei Dinge: den Stil und den Inhalt. Der Stil war für einen gewöhnlichen Kommentar ungewöhnlich elaboriert. Das meine ich weniger sprachlich, vielmehr inhaltich: es gibt jede Menge Fakten. Man muss sich schon wirklich auskennen, um so etwas mal eben als Kommentar abzulassen. Der Inhalt selber war dann etwas merkwürdig: Wieso bietet der Kommentator hier nur die Vorgeschichte aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts an? Und welche Einsichten erlaubt mir das? Warum verzichtet er auf die Darstellung der Kriege im 20. Jahrhundert? Um es kurz zu fassen: Für meinen Geschmackt war das ein Kommentar, der nicht recht in den Kontext passt.

Und siehe da: der ganze Kommentar war einfach eine Kopie des Wikipediaeintrages zu “The Great Game”. Mehr Mühe hat sich der Kommentator also nicht mehr gegeben. Aber dann hätte auch ein kurzer Link genügt mit dem Hinweis auf die Historie im Lexikon. Den Kommentarplatz hätte er sich jedenfalls sparen können.

Plagiate sind nicht nur Verstöße gegen Urheberrechte oder gegen das Selbstverständnis mancher Berufe. Sie sind zugleich Projektionsfläche für einen Kulturpessimismus. Kulturpessimismus wiederum ist zwar konservativ, aber keineswegs allein das  Problem der Milieus, die als konservativ gelten.  Die Empörung über Plagiate kann dabei das trojanische Pferd sein, mit dem konservatives Denken die Verteidigungsanlagen des progressiven Geistes bezwingen kann.  Zumindest kann ich das an mir selber beobachten. Weiterlesen »

Heute hat das Bundesverfassungsgericht über die Vorratsdatenspeicherung entschieden.  Es hat das Gesetz für nichtig erklärt. Leider scheint der Fall damit aber längst nicht erledigt zu sein:

Das Urteil ist hart, aber nicht hart genug.Es ordnet zwar an, die bisher gespeicherten Daten zu löschen, lässt aber die Speicherung und Weitergabe der Daten für die Zukunft umfassend zu. Auf der Basis der im Urteil geschilderten Gefahren hätte die Speicherung aber generell verboten werden müssen.

So sagt es Heribert Prantl von der Süddeutschen. Er ist nicht der einzige, der hier ein Urteil mit lauter offenen Scheunentoren sieht.

Markus Beckedahl meint darum:

Wir müssen Druck auf die Bundesregierung und vor allem auf die FDP aufbauen, dass diese unsere digitalen Bürgerrechte Ernst nehmen.

Dem kann ich mich nur anschließen. Die Frage ist nur, wie macht man das?

Ich plädiere ja eher für Lobby- als für Parteiarbeit. Und da ist das erste Ziel die FDP.  Der FDP muss man jetzt klar machen, dass ein neues, an die Vorgaben des Urteils angepasstes Gesetz das Problem nicht unbedingt löst. Die Vorratsdatenspeicherung muss vom Tisch. Das ist das erklärte Ziel. Die FDP muss glaubhaft machen, dass sie das will.

Anderenfalls wird man gegen die FDP mobilisieren müssen. Die Liberalen haben mit den Bürgerrechten für sich geworben. Sie müssen jetzt dafür einstehen oder die Zeche zahlen. Zur Kasse bittet man die Liberalen z.B. mit einer kleinen Karte, auf der Guidos vollmundige Versprechen stehen. Diesen stellt man dann die Realitäten gegenüber. Das Ganze wird garniert mit einem knackigen Spruch. In Wahlkämpfen sollte man entsprechend einen heftigen Anti-Wahlkampf führen.

Natürlich muss man dabei einige Dinge bedenken:

Das politische Alltagsgeschäft kennt keine großen Würfe. Jedes Gesetz ist ein Kompromiss. Man darf daher keine überzogenen Forderungen stellen, die machtpolitisch nie und nimmer zu realisieren sind. Die FDP ist nun mal der kleinere Partner und kann sich nicht eins zu eins durchsetzen. Hier muss man auch ermöglichen, dass kleine Schritte Erfolge sind. Allerdings muss die FDP schon deutlich machen, wohin sie letzten Endes will.

Zweitens bringt Krawall alleine noch nicht weiter. Jene Liberalen, die es mit den Bürgerrechten ernst meinen, muss man unterstützen. Man könnte ihnen z.B. öffentliche Resonanz verschaffen. Erklärte Lobbyisten wie netzpolitik.org könnten solchen Leuten durchaus mal eine Plattform bieten. Oft genug fehlt es den Vernünftigen in der Politik an Publicity. Hinterbänkler, die wegen ihrer mangelnden Medienpräsenz niemand kennt, nimmt man in den Parteien nicht recht ernst. Aber wer dank eines großen Bekanntheitsgrades viele Wählerstimmen mobilisieren kann, der wird schon eher respektiert und gehört. Deshalb könnte man als “Netzgemeinde” dafür sorgen, dass die richtigen Leute bekannt werden.

Das ist nur eine Idee. Es wäre schön, wenn es gelänge, mehr davon zu produzieren und, vor allem, sie in die Tat umzusetzen…

Bei der DFG hat man offenbar die seitenlangen Publikationsverzeichnisse satt:

Forscher dürfen künftig bei Förderanträgen im Lebenslauf nur noch maximal fünf Arbeiten angeben – „”eben jene fünf, die sie selbst für die wichtigsten ihrer gesamten wissenschaftlichen Arbeit halten”, sagte DFG-Präsident Matthias Kleiner in Berlin.

Verbunden ist diese neue Politik mit der Erkenntnis, dass die Überbewertung der reinen Zahl der  Publikationen falsche Anreize setzt:

Leider laute heute die erste Frage nicht mehr, was jemand erforscht, sondern wo und wie viel er publiziert habe. “Das übt einen außerordentlich starken Druck auf Wissenschaftler aus, möglichst viel zu publizieren.”

Erstaunlich ist allerdings, dass das der DFG erst jetzt auffällt. Dass der Publikationsdruck genauso wirkt, wie der Notendruck in Schule und Bachelorstudium, konnte man auch ohne jahrelange Forschung sicher prognostizieren. Es ist ja schon eine Zeitfrage: Viel zu schreiben kostet eben Zeit. Die kann man sich nur nehmen auf Kosten der Lehre – und natürlich der Inhalte. Es ist nicht so leicht, etwas wirklich substanzielles zu sagen zu haben, und zwar etwas, was alle anderen bis dato noch nicht wussten. Ohne ausdauernde Forschung gibt es nun mal keine echten neuen Erkenntnisse. Daher musste doch wohl jedem klar sein, dass das Bestehen auf Quantität den Erkenntniswert der Publikationen drastisch mindern musste.

Für mich als Leser und Nutzer von wissenschaftlicher Literatur besteht dieses Problem schon lange. Da gibt es einerseits diese Vielschreiber, die dann in jedem Aufsatz auf mindestens 10 weitere Texte von sich verweisen. Leider findet man dann nirgendwo mal ein Buch, indem dieser Mensch seinen Ansatz gründlich und übersichtlich ausgearbeitet hat. Stattdessen kramt man seinen Aufsätzen hinterher und findet in jedem nur ein Brotkrumen an Erkenntnis.

Andererseits gibt es Leute wie Heinrich Popitz, dessen Publikationsliste für heutige Verhältnisse lächerlich kurz ist. Wahrscheinlich gälte dieser Mann heute als fauler Prof. Aber der Witz ist: Jede seiner knappen Schriften ist absolut lesbar, jargonfrei und dennoch umfassend. Der Mann mag viel Zeit damit verbracht haben mit seinen wenigen Texten. Aber sie sind allesamt gelungen und wirklich nützlich. Das gilt häufig nicht für die Vielschreiber, die nur die Zeit des Forschers verbrauchen.

Politik wird in den Medien gerne als Drama dargestellt, in dem Helden mit übermächtigen Bösewichten ringen. Publikumswirksam stehen in diesem Drama dann die Leidenschaften und Charaktere der Protagonisten im Vordergrund. Die Bühne ist bevölkert von machthungrigen Schurken, von eifersüchtigen Rivalen oder von nibelungentreuen Parteisoldaten. Zu dieser Dramatisierung gehört folgerichtig, dass man Westerwelles Kritik am Sozialstaat („spät-römische Dekadenz“) vor allem als einen emotionalen Ausbruch interpretiert: „Ein Mann sieht rot“, meinte die ARD, die „ZEIT“ beschrieb ihn als „Hyperventilator“ und sprach von „tiefsitzenden Verletzungen“ und Michael Spreng sieht die Contenance des FDP-Chefs verloren: „Deshalb schlägt er so wild und schrill um sich, genauso maßlos, wie er den Sieg genoss.“ Hat Westerwelle überreagiert und sich deshalb im Ton vergriffen? Angesichts des schwarz-gelben Chaos möchte man der Diagnose des tief enttäuschten FDP-Vorsitzenden gerne glauben. Doch dieses Bild trügt. Die Wortwahl des Außenministers war wohlkalkuliert.

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