Bei der DFG hat man offenbar die seitenlangen Publikationsverzeichnisse satt:
Forscher dürfen künftig bei Förderanträgen im Lebenslauf nur noch maximal fünf Arbeiten angeben – „”eben jene fünf, die sie selbst für die wichtigsten ihrer gesamten wissenschaftlichen Arbeit halten”, sagte DFG-Präsident Matthias Kleiner in Berlin.
Verbunden ist diese neue Politik mit der Erkenntnis, dass die Überbewertung der reinen Zahl der Publikationen falsche Anreize setzt:
Leider laute heute die erste Frage nicht mehr, was jemand erforscht, sondern wo und wie viel er publiziert habe. “Das übt einen außerordentlich starken Druck auf Wissenschaftler aus, möglichst viel zu publizieren.”
Erstaunlich ist allerdings, dass das der DFG erst jetzt auffällt. Dass der Publikationsdruck genauso wirkt, wie der Notendruck in Schule und Bachelorstudium, konnte man auch ohne jahrelange Forschung sicher prognostizieren. Es ist ja schon eine Zeitfrage: Viel zu schreiben kostet eben Zeit. Die kann man sich nur nehmen auf Kosten der Lehre – und natürlich der Inhalte. Es ist nicht so leicht, etwas wirklich substanzielles zu sagen zu haben, und zwar etwas, was alle anderen bis dato noch nicht wussten. Ohne ausdauernde Forschung gibt es nun mal keine echten neuen Erkenntnisse. Daher musste doch wohl jedem klar sein, dass das Bestehen auf Quantität den Erkenntniswert der Publikationen drastisch mindern musste.
Für mich als Leser und Nutzer von wissenschaftlicher Literatur besteht dieses Problem schon lange. Da gibt es einerseits diese Vielschreiber, die dann in jedem Aufsatz auf mindestens 10 weitere Texte von sich verweisen. Leider findet man dann nirgendwo mal ein Buch, indem dieser Mensch seinen Ansatz gründlich und übersichtlich ausgearbeitet hat. Stattdessen kramt man seinen Aufsätzen hinterher und findet in jedem nur ein Brotkrumen an Erkenntnis.
Andererseits gibt es Leute wie Heinrich Popitz, dessen Publikationsliste für heutige Verhältnisse lächerlich kurz ist. Wahrscheinlich gälte dieser Mann heute als fauler Prof. Aber der Witz ist: Jede seiner knappen Schriften ist absolut lesbar, jargonfrei und dennoch umfassend. Der Mann mag viel Zeit damit verbracht haben mit seinen wenigen Texten. Aber sie sind allesamt gelungen und wirklich nützlich. Das gilt häufig nicht für die Vielschreiber, die nur die Zeit des Forschers verbrauchen.
Finde die Maßnahme gut, nicht obwohl, sondern gerade weil sie so drastisch ist. Selbst unsere Mastersoziologen müssen jetzt zum Teil ihre Lehrforschungsberichte in Artikelformat abliefern. Als erstes fliegt dabei natürlich die Methodenreflektion raus.
Danke übrigens für den Literaturhinweis, habe von dem Mann noch nie etwas gehört.